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Südlich der Elbe wird der Hafen langsam erschlossen, Wilhelmsburg und
die Veddel liegen zwischen grünen Wiesen und der riesigen Industrie im
Hafen. Die U4 soll eines Tages sich durch die südlichen Stadtgebiete winden.
Und die Anwohner bemerken jetzt schon die Gentrifizierung.
In dieser Gemengelage hat sich ein Projekt aufgetan, was den Vorstellung
von einer Mehrheitsgesellschaft gegenüber Konsum trotzen möchte. Der
Verein » Alternation e.V. « hat sich der Nachhaltigkeit und der urbanen
Selbstversorgung verschrieben.
Eins der Projekte, die der Verein aufgebaut hat ist; »Minitopia«. Ein Freiraum
in Form einer 1000qm² Fläche, die Mensch als urbanen Spielplatz
verstehen kann. Unter anderem finden sich dort Selbstversorger-Beete, Do
It Yourself Werkstätten oder Projektküchen. Der Verein stellt Menschen,
die neue Wege der Selbstversorgung für sich und andere erfahren und erforschen
möchten, eine Infrakstrukur, in der sie willkommen sind.
Minitopia definiert seine Ziele wie folgt:
»Jede Krise beinhaltet gleichzeitig die Möglichkeit der Wandlung und Weiterentwicklung.
Wir möchten in erster Linie dazu ermuntern, den z.T. beängstigenden
Folgen der Globalisierung nicht mit Ängsten, Verzweiflung oder Schuldzuweisungen
zu begegnen, sondern mit Kreativität, Experimentierfreude und Spaß am
Gestalten. Ziel ist es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, welche Alternativen es
gibt, die auch im kleinen Rahmen mit wenig Mitteln im Alltag umsetzbar sind,
um eine Kehrtwende einzuleiten.«
Auf dem Gelände von Minitopia findet sich auch das Depot von der solidarischen
Landwirtschaft »Superschmelz«
Der Name »Superschmelz« ist eigentlich eine Kohlrabisorte, die dafür bekannt
ist ein sehr großes Ausmaß anzunehmen. Unter den Solawistas
(Menschen, die Teil einer SolaWi sind), wird schon sehr oft gestöhnt, dass
in den letzten Jahren bis zu 20 Kilo Kohlrabi in ihrem Anteil zu finden war.
Die SolaWi bewirtschaftet 4,5 Hektar und zwei Gewächshäuser auf einem
Biohof in Wistedt. Rund 60 Gemüsesorten werden dort von Gärtner:innen
angebaut. Dieses Gemüse wird jedes Wochenende in acht verschiedenen
Depots, unter anderem in Harburg und Wilhelmsburg verteilt. Dies geschieht
komplett durch ehrenamtliche Arbeit einiger Solawistas, die einen
Anteil an der Superschmelz SolaWi haben.
Eine solidarische Landwirtschaft bedeutet viel mehr als nur Lebensmittel
gerecht zu verteilen und ökologisch anchhaltig mit der Natur umzugehen.
Die Mitglieder sind auch untereinander solidarisch: Alle entscheiden selbst
und anonym, wie viel sie bezahlen können und wollen.
Durch sogenannte Mitgärtner-Tage, ist es jedem Menschen, der Teil der SolaWie
ist, möglich zu erfahren woher das Gemüse kommt.
Dieses beiden Projekte stehen für mich als Symbol und als Werkzeug, wie
unsere Gesellschaft sich wieder annähren kann, an die Wertschätzung von
den Gütern/Lebensmittel, die diese verbrauchen. Für einen nachhaltigen
Umgang mit diesen, um den ökologischen Folgen der Klimakrise ein Stück
entgegen zu arbeiten. Außerdem gehört für mich diese Projekte als wichtige
Institution, um in einer Großstadt, wie Hamburg, Menschen mehr zu
der Natur zu führen. Und einen Austausch zu ermöglichen, wodurch ein
neues solidarisches Miteinander entstehen darf.
Ich möchte die beiden Projekte gerne fotografisch begleiten. Dokumentarisch
die Menschen und die Projekte portraitieren, ob durch Bilder der
Räume oder auch der Interaktion der Menschen.Dazu gehört auch das Mitarbeiten
auf dem Feld und das Verständnis, was genau es eigentlich bedeutet
als Gärtner:in bei Superschmelz zu arbeiten. Ich möchte wissen, wie es
ist in Minitopia sich frei ausleben zu dürfen und wie ein kleiner Markt für
lokale Produkte entsteht.
Ich möchte erforschen warum es den Anscheint macht, dass viele Menschen
»entwurzelt« sind von den Produkten, die sie konsumieren. Warum
werden Lebensmittel auf dem Markt oder Supermarkt als Ware bezeichnet
und müssen immer perfekt aussehen. Außerdem möchte erforschen, was
für einen Einfluss Projekte wie »Superschmelz« und »Minitopia« auf die
Bevölkerung von Hamburgs Süden hat.
Das Endprodukt soll eine Arbeit sein, die Menschen zeigt, die Lust auf Freiräume,
neue Ideen und eine Bindung zu den Produkten, die sie konsumieren,
haben. Durch Portraits, Reportagebilder oder Stilleben.
Ich stehe schon länger im Kontakt mit den Projekten und werde vorraussichtlich
ab November starten mit meiner Langzeitreportage. Die Serie
trägt den Arbeitstitel »Entwurzelt«.
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