Im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie Berlin präsentiert Boris Eldagsen die Ausstellung „RIVALEN“, die klassische Fotografie und KI-generierte Bilder gegenüberstellt.
Vom 2. bis 31. März 2025 wird in der Guelman & Unbekannt Galerie* in Berlin die Arbeit von 18 Fotografen und 18 KI-Künstlern gezeigt – eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Frage, was Fotografie im Zeitalter künstlicher Intelligenz noch bedeutet.
Schließlich sind Fotografien und KI-Bilder („Promptografien“) mit bloßem Auge kaum noch zu unterscheiden. So gewann Boris Eldagsen bereits 2022 mit seinem KI-generierten Bild „Pseudomnesia | The Electrician“ einen Fotowettbewerb (Bild oben), während im Jahr darauf Miles Astray mit seinem klassisch erstellten Foto „Flamingone“ (2023) bei einem KI-Wettbewerb ausgezeichnet wurde. Boris Eldagsen: „Der Unterschied zwischen Fotografie und KI liegt nicht mehr im Bild selbst, sondern im Entstehungsprozess. Während die Fotografie auf Licht, Materie und Zeit basiert, schöpft die KI ihre Bilder aus Text und Datenbanken.“
- Photo Miles Astray,Flamingone 2023
- Photo Klaus Elle Erleuchtungen Nr.6 1995
Die von ihm kuratierte Ausstellung betont die fundamentale Rolle des Lichts für die Fotografie. „Fotografie = Licht x Materie x Zeit“, heißt es in einem der zentralen Statements. Arbeiten wie Claus Stolz’ „Heliographs“ oder Klaus Elles Langzeitbelichtungen zeigen, wie Künstler mit diesen Elementen experimentieren. Gottfried Jäger und Jiří Šigut treiben diese Auseinandersetzung auf die Spitze: Sie visualisieren Lichtprozesse auf eine Weise, die die Grenzen zwischen wissenschaftlicher Untersuchung und künstlerischer Abstraktion verschwimmen lässt.
Eine weitere Facette der Ausstellung ist die Rolle der Fotografie als dokumentarisches Medium. In einer Welt, in der Bilder zunehmend manipuliert oder künstlich erzeugt werden, bleibt die Kamera oft das letzte Mittel, um Realität festzuhalten. „Fotografie weit mehr ist als bloße Bildproduktion“, so Eldagsen, „sie ist ein Werkzeug der Erforschung, Erinnerung und Wahrheitssuche.“
Im Kontrast dazu steht die KI-Kunst, die durch textbasierte Steuerung visuelle Werke erschafft. Dabei geht es nicht um physikalische Prozesse, sondern um die Dekonstruktion und Rekombination bestehender Bildwelten. Die Ausstellung thematisiert diese neuen Möglichkeiten kritisch:
Clint Enns’ „Plasmatic Bodies“ (2023) zeigt künstliche Körper, die zwischen Schönheit und Horror oszillieren. Placentashake erschafft anatomische Modelle, die nicht mehr eindeutig als Mensch oder Tier erkennbar sind. Arik Weismann visualisiert die Auswirkungen von Kriegen auf marine Ökosysteme mit KI-generierten Bildern von mutierten Muscheln.
Aber sind KI-Bilder reine Simulation oder eine eigenständige künstlerische Ausdrucksform?
„RIVALEN“ lädt die Besucher dazu ein, sich mit den tiefgreifenden Veränderungen auseinanderzusetzen, die die Fotografie und Bildproduktion durch KI erfahren. Die Ausstellung zeigt, dass es weniger um eine technologische Revolution als um eine neu definierte Bildwahrnehmung geht: Während Fotografen mit Licht arbeiten, schreiben KI-Künstler mit Worten Bilder.
Boris Eldagsen: „Fotografie ist mehr als nur ein Bild – sie ist eine physische, materielle und zeitliche Erfahrung. KI hingegen ist die Kunst der Simulation. Doch was bleibt am Ende real? Das entscheidet das Auge des Betrachters.“
https://emop-berlin.eu/en/exhibition/rivalen
* Guelman & Unbekannt Galerie, Mittelstr. 53, 10117 Berlin, täglich 12–20 Uhr, Eintritt frei